Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am 29. Juni hatte die Stadt ihre Bürgerschaft zu einem Dialog zum neuen integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) eingeladen. Ich habe als Stadtratsmitglied und Mitglied des INSEK-Beirates diese Veranstaltung ebenfalls besucht, um mir selbst ein Bild von diesem zweiten „Bürgerdialog“ zu machen.

Ich muss sagen, ich war trotz meiner sowieso schon eher geringen Erwartungen am Ende ziemlich ernüchtert. Warum so wenige Bürgerinnen und Bürger, die nicht politisch oder beruflich mit dem Thema befasst sind, erschienen waren, lässt sich wahrscheinlich nicht abschließend klären. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass man den Menschen im Vorfeld 270 Seiten im Internet angeboten hatte, die nicht so aufbereitet waren, dass Menschen, die mit der Thematik nicht bereits intensiv befasst waren, damit etwas hätten anfangen können. Wie sollten sie im Vorfeld erkennen, was warum für sie wichtig sein könnte? Warum hat man nicht ein oder zwei relevante Themen herausgenommen und diese online für die Menschen kurz und knapp zusammengefasst, so dass alle hätten erkennen können, warum es wichtig sein könnte, teilzunehmen?




Erschreckend war dann aber tatsächlich der Ablauf. Für den Fall, dass sich tatsächlich Menschen, die direkt betroffen sind, im Raum befanden, war deren Motivation spätestens nach einer Stunde „Frontalunterricht“ mit vielen Allgemeinplätzen und wenig konkreten Informationen und einer sich anschließenden wenig inspirierenden Podiumsdiskussion vermutlich auf dem Nullpunkt angelangt. Aus ein paar Gesprächen nach Ende der Veranstaltung konnte ich das jedenfalls heraushören.

Was genau haben die Organisatoren an dem Wort Dialog eigentlich nicht verstanden?

Es kam dann doch noch zu einer kurzen Fragerunde, in der sich insbesondere Stadträte und Fachleute mit sehr konkreten Fragen und Kritikpunkten äußerten. Leider wurden die Fragen nicht wirklich beantwortet und die Kritikpunkte lapidar abgetan! Statt Antworten und etwas Demut gab es wieder allgemeine Ausführungen, die jeweils zielsicher am Thema vorbeigingen.

Nach diesem Ablauf kann man sich schon fragen, wie es in der Einleitung am Anfang der Veranstaltung gemeint war, dass man eigentlich schon ganz viel habe, die Menschen sich aber trotzdem noch während der Auslegung der Unterlagen beteiligen dürften.

Ich möchte die Menschen in Dessau-Roßlau jetzt erst recht dazu aufrufen, sich die Unterlagen im Internet anzusehen und sich bis zum 24. August mit Eingaben zu beteiligen! Das Thema ist viel zu wichtig, um es nur einigen wenigen zu überlassen.

Dr. Frank Brozowski
Bürgerliste Dessau-Roßlau