AKTUELLE POSITIONEN

Im Juni 2021 wurde durch den Stadtrat einstimmig ein Grundsatz-beschluss zum Tierparkkonzept 2030 gefasst. Der Beschluss und das Tierparkkonzept sehen ausdrücklich vor, diverse Betriebsbereiche wie Aufzucht, Quarantäne, Lagerhaltung, Werkstätten, Futterküche und Sozialräume für Mitarbeitende, aber auch Tierparkschule und Restaurant in die Gebäude des unmittelbar angrenzenden denkmal-
geschützten, aber brachliegenden Bahnbetriebswerks zu verlegen. Die baulichen Anlagen des Tierparks weisen einen langjährigen und erheblichen Instandhaltungs- und Investitionsstau auf. Mit der Umnutzung des Bahnbetriebswerkes besteht die einmalige Chance, die Mängel des Tierparks zu beheben, zusätzlichen Platz für die Tiere zu schaffen und gleichzeitig den Anblick des heruntergekommenen Bahngeländes zu verbessern.
Ärger über Stillstand
Nachdem es vier Jahre keinerlei Fortschritt bei der Umsetzung des Beschlusses aus 2021 gab, hatte die Fraktion Freies-Bürger-Forum zum Jahresende einen Beschlussvorschlag vorgelegt, der die
Verwaltung beauftragt, im Jahr 2025 endlich tätig zu werden sowie 80.000 € für den Erwerb des ehemaligen Bahnbetriebsgeländes und Mittel für Planungen in den Haushaltsplan 2025 einzustellen. Im Finanzausschuss am 22. Januar konterte der Oberbürgermeister diese Vorlage mit einer Stellungnahme, die eine Entwicklung ausschließlich auf dem gegenwärtigen Tierparkgelände ohne Erweiterung durch das Bahngelände vorsieht.
Eine solche Lösung mit Ersatzneubauten u.a. für die desolaten Sozialräume und Werkstätten ist denkmal- und naturschutzrechtlich unrealistisch, spart kein Geld, geht zu Lasten der Angebotsflächen des Tierparks und hinterlässt zusätzlich das Denkmal des Bahnwerks weiterhin als städtebaulichen Missstand.
Die explizite Weigerung des Oberbürgermeisters, den Stadtrats-beschluss umzusetzen, sorgte bei den Stadträten der Fraktionen Freies-Bürger-Forum, Pro Dessau-Roßlau, SPD, GRÜNE und ABV für großen Unmut. Die seit Jahren überfällige Umsetzung der Rats-beschlüsse gefährdet die von Mitarbeiterinnen, Besuchern und Fachleuten erwartete Weiterentwicklung. Es war die Rede von Pflicht-verletzungen seitens des Oberbürgermeisters. „Nicht der Oberbürger-meister ist der Souverän, sondern der Stadtrat!“. Bedauerlicherweise wurde die Beschlussvorlage mit Stimmenmehrheit von CDU und AfD vom Finanzausschuss in die weiteren Haushaltsberatungen verwiesen. Im Januar 2025 wechselte das Bahngelände den Besitzer. Der Stadt steht jedoch das Vorkaufsrecht zu und sie muss jetzt entscheiden, ob sie dieses wahrnimmt, um sich mit dem Erwerb des Grundstücks ihre Handlungsfähigkeit zu sichern.


Tierparkkonzept 2030 oder BUGA 2035?
Ein Konflikt? Nein, im Gegenteil. Die BUGA 2035 benötigt den Tierpark mit dem Bahngelände geradezu. Das Erweiterungsgelände eignet sich hervorragend, um in Bahnhofsnähe zentrale Funktionen der BUGA, vielleicht sogar den zentralen Besucherempfang mit Serviceeinrichtungen wie Ticket- und Infostand, komfortable Toilettenanlagen, einen modernen Gastronomie- und Veranstaltungs-bereich und natürlich die Schaugärtnerei des Lehrparks für Tier- und Pflanzenkunde aufzunehmen. Da die Gebäude durch den Tierpark vollständig und dauerhaft nachgenutzt werden, ist hier eine wirtschaftlich äußert vernünftige Lösung möglich. Weiterhin könnte das dem Bahngelände in der Georgenallee gegenüberliegende Leergrundstück während der BUGA in optimaler Weise den Shuttleverkehr von den BUGA-Parkplätzen aufnehmen sowie Stellplätze für Behinderte zur Verfügung stellen.
Bei dieser Gelegenheit: Die Zukunftsreise-AG 10 „BUGA 2035“ hatte im Februar 2022 der Stadt bereits lange vor Veröffentlichung der BUGA-Machbarkeitsstudie Projektvorschläge überreicht, darunter einen, den Tierpark mit Bahngelände als einen zentralen Ort der BUGA auszubauen. Zu einem Gespräch mit der Stadtverwaltung kam es bisher leider nicht.
Lässt sich das Tierparkkonzept 2030 finanzieren?
Die BUGA-Machbarkeitsstudie geht von einem Investitionsvolumen von ca. 84 Mio. EUR für den Zeitraum 2025 – 2035 aus, also 8 Mio. EUR jährlich. Mit einem aktualisierten Gesamtvolumen von rund 14,5 Mio. EUR, auf 10 Jahre verteilt rund 1.5 Mio. EUR jährlich, stellt das Tierparkkonzept 2030 durchaus eine beachtliche Größe dar. Ein erheb-licher Teil davon ließe sich jedoch durch verschiedene Förder-programme von EU, Bund und Land (z.B. Leader, Städtebauförderung, Industriekultur) abdecken. Der städtische Anteil wird damit gesenkt.
Außerdem lässt sich das Gesamtprojekt durch die Aufgliederung in einzelne Realisierungsbausteine hervorragend funktional und je nach finanzieller Leistungsfähigkeit zeitlich variabel steuern. Die Gebäude können einzeln saniert und den Besuchern schrittweise zugänglich gemacht werden. Dies ist betrieblich, ökologisch wie auch wirtschaft-lich die sinnvollste Lösung.
Autoren: Marianne Richter, Thomas Fischer (Bürgerliste Dessau-Roßlau)
