Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Ein Großer unserer Stadt ist gegangen. Die Fraktion Freies-
Bürger-Forum bekundet ihr Beileid der Witwe, den Söhnen,
der Familie und den Freunden.

ave Joachim Landgraf – vivat familiaritas

In der preußischen Provinz Sachsen geboren, aufgewachsen,
ausgebildet und als Verfahrensingenieur diplomiert, kam Jo-
achim Landgraf nach Dessau und wurde der „Kulturmacher“.
Als er in der Bezirksregierung Dessau 1991 Dezernent für Kul-
tur und damit der Kulturmacher für ganz Anhalt wurde, hat er
wohl selbst noch nicht vermutet, dass er der „Neumacher“
der Kultur in Anhalt werden würde.

Seine bescheidene Auszeichnung mit der Fritz-Hesse-Me-
daille der Stadt Dessau-Roßlau kann nicht annähernd die Be-
deutung der Menschenfreundlichkeit ausdrücken, die seine
Person auszeichnete.

Die beiden Nachrufe in der Mitteldeutschen Zeitung von Heidi Thiemann und Danny Gitter bleiben an dem großartigen Dessauer orientiert. Joachim Landgraf ist aber weit darüber hinaus seit 1991 als der Mann zu sehen, der Anhalt wiederzum Tragen gebracht hat. Seine dienstlichen Aufgaben bei der Bezirksregierung und im oder für das Regierungspräsidium haben ihn höher getragen. Von Ballenstedt bis Wittenberg hat er den Kulturbetrieb in die Höhe gebracht: Dessau-Wörlitz, Bauhaus, Lutherhaus in Wittenberg, Fruchtbringende Gesellschaft in Köthen, Schloss Bernburg, Johannbau in Dessau, Musikschule Dessau, Mausoleum Dessau, Eichenkranz in Wörlitz etc. Was in Anhalt wäre ohne ihn so, wie es heute ist? Er war der Steuermann.

Das Anhaltische Theater ist sein Vermächtnis, aber die vielen
anderen Leistungen werden diesem Mann kaum nachgesagt.
Schade. Als er dann zum Anhaltischen Theater weiterging, da lebte er in neuer Dimension. Er hat die Wiederbelebung der alten The-
aterstiftung durch Gutachten betrieben. Er hatte in der kom-
munalen Politik zu wenig Mitstreiter. Nachgelassen hat er nicht.

Gern erinnern wir uns an Joachim Landgraf im barocken Kos-
tüm zum Leopoldsfest. Aber noch mehr an den Pragmatiker
und Macher: bescheiden gekleidet, immer mit einem Lächeln
im Gesicht, nie laut und polterig, aber immer bestimmt und
drängend.

Dass er selbst und seine Familie uns als Öffentlichkeit vom
physischen Abschied ausgeladen haben, wollen wir respek-
tieren. Aber auch auf diesem Weg verneigen wir uns ehr-
fürchtig vor dieser Persönlichkeit von hohem anhaltischem
Rang. Der Familie und den Freunden sagen wir weiter Be-
gleitung zu und werden das Vermächtnis wahren.

Insbesondere ist es uns wichtig zu vermitteln, dass der von
ihm geschärfte Blick über Dessau hinausgehen soll. Dessau-
Roßlau kann nur gedeihen, wenn wir unsere Aufgabe in An-
halt sehen. Rücksicht auf die Freunde und Partner in ganz An-
halt – die sollen wir beachten. Nicht eigensinnig nur an das
Oberzentrum denken, sondern grün-weiß die Farben Anhalts
mit den Freunden in Wittenberg hochhalten. Für alle aber das
Lebenswerk Joachim Landgrafs, das Anhaltische Theater zu
erhalten, in Anhalt und die Uneigennützigkeit voranzustellen –
dies wird uns einen: in memoriam Joachim Landgraf.

Hendrik Weber
Bürgerliste Dessau-Roßlau/ Fraktionsvorsitzender